Der Name Prometheus

Bevor wir auf die Wahl der Namensgebung eingehen, hier die griechische Sage in aller Kürze:

Die Sage

Prometheus war ein Titanensohn, somit göttlicher Herkunft. Er schuf sich die Menschen aus Lehm, hauchte ihnen Atem ein und wurde ihr Lehrer. Nachdem die Götter auf die Menschen aufmerksam wurden, verlangten sie Opfer und Verehrung. Darauf ersann Prometheus eine List: er trennte von einem Opferstier das gute Fleisch von Fett und Knochen, verbarg das Gute im Magen und das Schlechte im Fell und liess Zeus wählen. Der durchschaute die List, wählte aber dennoch die Knochen. Doch liess er die Tat nicht ohne Strafe: er nahm den Menschen das Feuer. Aber Prometheus brachte es zurück, was den Zorn des Alten nur noch steigerte: den Menschen sandte er Pandora mit den Unheil bringenden Gaben und Prometheus liess er an den Kaukasus ketten, wo täglich ein Adler an seiner nachwachsenden Leber frass, bis er von Herkules befreit wurde.

Warum nun nennen wir unsere Loge nach Prometheus?

Zeus Strafe war ungerecht. Sie traf nicht die Schuldigen, sondern die Wehr- und Machtlosen. Und sie war übertrieben hart: ohne Feuer fielen die Menschen auf die Stufe der Tiere zurück; sie konnten kein Metall mehr schmieden, keine Keramik töpfern, alles, was den Neid der Götter erregt hatte, war nun vorbei. Prometheus korrigiert das Unrecht. Nicht aus Eigennutz, er begehrt nichts dafür, sondern aus Tugendhaftigkeit (Gerechtigkeit, Mässigkeit, Klugheit und Tapferkeit sind die sog. Kardinaltugenden) und aus Menschenliebe. Prometheus bestreitet damit dem absoluten, beinahe allmächtigen Herrscher über Himmel und Erde das Recht, nach Gutdünken zu verfahren. Er hat den Menschen das Beispiel gegeben, gegen Unrecht und Willkür aufzubegehren, auch um den Preis eines bitteren Schicksals. Er hat der dunklen Seite der Macht den Glanz jenes ewigen Feuers entgegengesetzt, das er auf die Erde brachte.